Das Bloggen scheint mittlerweile zu einer wahren Volksbeschäftigung avanciert zu sein. Die Echtzeit-Blog-Suchmaschine Technorati – die führende ihrer Art – listet mittlerweile ca. 112 Millionen Blogs auf, wobei die Tendenz stark steigend ist.
Die Motive, aus denen Menschen bloggen variieren dabei stark. Auch im Hinblick auf Blogarten gibt es Unterschiede. Es ist somit anhand der möglichen Kombinationen nicht wirklich pauschal zu definieren, welche Merkmale einen guten Blog auszeichnen. Während manche Blogger den Erfolg in hohen Besucherzahlen sehen, hoffen wiederum andere – in der Regel beruflich agierende Schreiber – auf einen gewissen finanziellen Ertrag. Andere wiederum sehen das Bloggen als eine Art Ventil, ähnlich einem Tagebuch. Für sie ist der Erfolg allein durch das Schreiben gegeben. Ob die Einträge tatsächlich auch gelesen werden, wird zur Nebensache.
Was die Blogformen angeht, so sei auf den Eintrag in Wikipedia zum Thema Blog verwiesen, in dem bis dato 16 unterschiedliche Typen aufgezählt werden, wie z.B:
Es kommt also primär auf die Kombination aus Motiv und Blogtyp an, um bei einer Analyse beurteilen zu können, ob ein bestimmter Blog gut oder schlecht ist. Dennoch lassen sich aus meiner Sicht einige gemeinsame Anforderungen ableiten, die für nahezu aller Blogs gelten (die geheimen Tagebücher mal ausgenommen). Ebenso habe ich versucht, einige Tipps zur richtigen Umsetzung zu geben.
“Zu nahezu jedem Thema finden sich heutzutage Blogs. Warum also das Rad neu erfinden?” Falsch! Es gibt genügend Nischenthemen, die zumindest in Deutschland noch nicht “Blog-besetzt” sind. (Vgl. Interview mit Peter Turi in der Web-Selling Ausgabe 04/07). Spezielles Wissen und Begeisterung für ein solches Thema vorausgesetzt liefern Nischen, ähnlich wie in der Marktwirtschaft, eine kleine aber dennoch interessierte Zielgruppe unter den Internetsurfern. Es gibt allerdings auch Themen, die lieber nicht gewählt werden sollten. Turi zählt dazu z.B. “Motzblogging, Medienkritik, Bauchnabelschau, Bauchnabelschau”. Zumindest, wenn man langfristig denkt, bringen solche Themen nichts. Sehe ich genauso.
Tipps: Schauen Sie auf sich, auf Ihre Hobbies, Leidenschaften, Interessen. Was liegt Ihnen? Zu welchen Themen lesen Sie in Zeitungen die Artikel immer vollständig, welche überfliegen Sie sofort? Wenn Sie ein Thema finden, welches schon vermehrt in Blogs behandelt wird, variieren Sie es ein wenig. Spezialisieren Sie sich ruhig auf ein kleineres Gebiet. Lieber ein Thema mit wenigen aber treuen Besuchern als ein Massenthema mit unregelmäßiger Laufkundschaft.
Das Lesen am Bildschirm ist um einiges anstrengender als das Lesen gedruckter Texte. Bildschirmflackern, Scrollen und eine schlechte Monitorauflösung wirken sich zusätzlich negativ auf die Wahrnehmung aus. Dem Leser müssen die Texte daher so benutzerfreundlich wie möglich präsentiert werden.
Tipps: Benutzen Sie serifenlose Schriften (Bsp. Arial, Verdana). Lassen Sie einen ausreichenden Zeilenabstand, besonders bei langen Texten (CSS-Beispiel: line-height:150%). Achten Sie auf die Anzahl der Wörter pro Zeile (max. ca. 8-12). Eventuell auch Wort- und Buchstabenabstand verändern (CSS-Befehl: word-spacing bzw. letter-spacing). Um zu vermeiden, dass die wichtigsten Textpassagen ungelesen bleiben, fangen Sie mit den Kernaussagen an und gehen Sie dann erst ins Detail (evtl. als Zusammenfassung oder Kurzüberblick).
Sofern Sie nicht für sich selber schreiben (was bei einem Internetblog wohl selten der Fall sein wird), achten Sie auch auf Ihren Schreibstil. Im Prinzip übernehmen Sie ja die Funktion eines Zeitungsredakteurs, welcher das Schreiben als Handwerk erlernt haben.
Tipps: Versuchen Sie nicht ernst und pragmatisch zu wirken, wenn Sie im richtigen Leben ein lustiger und verspielter Mensch sind (mehr dazu unter Authentizität). Seien sie kritisch mit sich selber. Nehmen Sie vor der Veröffentlichung eines Beitrages ein paar Minuten bis Stunden Abstand vom Text und versetzen Sie sich beim anschließenden Lesen ruhig in die Rolle Ihres Deutschlehrers :-). Schauen Sie aber auch, wie es die Profis machen. Nutzen Sie Synonymdatenbanken, um lästige Wiederholungen zu vermeiden. Und der wichtigste Tipp: Üben, üben und nochmals üben! Es liegt in der Natur des Menschen, sich bei Wiederholung einer Aktivität stets zu verbesseren.
Wenn ich im Internet zu einem bestimmten Thema recherhiere, bin ich immer wieder überrascht, wie viele Bloginhalte einfach hin- und herkopiert werden. Blogger machen sich zum Teil nicht einmal die Mühe, einen eigenen Beitrag zu verfassen und den eigenen Gedankengang einfließen zu lassen, sondern übernehmen blind und rückgratlos vorhandene Inhalte. Sowas ist langweilig, wird früher oder später erkannt und ist unter Bloggern zudem verpönt. Ein Beitrag sollte stets einen Teil Ihrer Persönlichkeit wiederspiegeln. Schließlich gab es für kopierte Aufsätze in der Schule auch schlechte Noten, und das nicht ohne Grund!
Tipps: Verstellen Sie sich nicht. Schreiben Sie nicht nur aus dem Kopf sondern auch aus dem Bauch heraus und hauchen Sie Ihren Texten somit eine Portion Leben ein. Denken Sie z. B. an Essen: Was schmeckt besser, die frische selbstgemachte Pizza, deren Zutaten sorgfältig ausgewählt wurden oder das massengefertigte, billige Tiefkühlprodukt? Ihre Leser sind hungrig und möchten einen schmackhaften Beitrag lesen!
Eines der Nachteile des Internets ist sicherlich die fehlende Qualitätssicherung publizierter Texte (auf die lange Liste der Vorteile möchte ich hier nicht extra eingehen, setzte ich als mittlerweile bekannt voraus). Welcher Aussage kann man Glauben schenken und welcher nicht? Getreu dem Motto “glaube nie einer Statistik, die Du nicht selber gefälscht hast” hat man zwei Möglichkeiten, glaubwürdig zu erscheinen: Entweder haben Sie bereits ein gewisses Vertrauen zu Ihren Lesern aufgebaut, oder aber Sie belegen Fakten, Zahlen und Aussagen konsequent mit glaubwürdigen Quellen.
Tipps: Bookmarken Sie Zeitungen, offizielle Websites und vertrauenswürdige Blogs, die Sie mit Informationen rund um Ihr Thema versorgen. Geben Sie sie als Quelle in Ihrem Beitrag an, indem Sie direkt zu der Seite verlinken. So kann der Leser im Zweifelsfall innerhalb der Quelle selber recherchieren.
Für mich sicherlich einer der wichtigsten Erfolgskriterien, nicht nur eines Blogs, sondern einer jeder Website: Die Aktualität. Denn nichts ist älter, als die Zeitung von gestern. Eine Internetseite, die nicht regelmäßig aktualisiert wird, gerät sehr schnell in Vergessenheit und wirkt verwahrlost, unprofessionell und halbherzig. Bedenken Sie, dass die “Konkurrenz” nur einen Mausklick entfernt ist. Und Konkurrenz haben Sie früher oder später überall dort, wo es einen attraktiven Markt gibt.
Tipps: Seien Sie diszipliniert und nehmen Sie sich nicht mehr vor, als Sie auch tatsächlich schaffen können. Und vor allen Dingen: setzen Sie sich ein realitisches Ziel. Ein guter Beitrag pro Woche reicht, wenn diese Vorgabe auch konsequent (z.B. ein Jahr lang = 52 Beiträge!) eingehalten wird, denn der Workflow besteht nicht nur aus dem reinen Tippen. Darüberhinaus müssen Sie auch recherchieren, gliedern, korrigieren, Quellen einbinden, etc.
Blogs haben gegenüber Printmedien einen entscheidenden Vorteil: Hyperlinks. Über Links können Sie problemlos internet und externe Verweise in Ihre Texte einbetten und somit eine interaktive Navigation ermöglichen. Links sind der Grundbaustein vieler Servicefunktionen, die in Blogs eingesetzt werden. Dazu gehören Bookmark-Icons (Delicio, Technorati, Digg, etc.), das Anzeigen verwandter Artikel, Permalinks, das Auflisten von mit dem Beitrag verknüpften Stichwörtern (Tags), etc.
Tipps: Stellen Sie daher sicher, dass die meisten der oben beschriebenen Funktionen in Ihrem Blog zur Verfügung stehen. Bieten Sie Ihre Bloginhalte zudem als RSS-Feeds für surffaule Leser an. Dadurch werden diese automatisch informiert, sobald Sie einen neuen Beitrag veröffentlicht haben.
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